Die Künstliche Intelligenz wird ein weiterer Kerntreiber für den digitalen Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft und wir müssen den zugehörigen Entwicklungen offen und neugierig gegenüberstehen und die damit einhergehenden Möglichkeiten als Chancen erkennen.

KI als Investment: Podcast-Interview zum KI-INDEX mit Prof. Kollmann bei CAPinside
KI-Talk mit Prof. Kollmann: Video-Interview für "KI aus der Praxis" (LinkedIn)
Tobias Kollmann

Was Künstliche Intelligenz verändert?
Alles!

Über Künstliche Intelligenz (KI) ist schon viel geschrieben worden und je nach Betrachtungswinkel standen hierbei die Chancen und Möglichkeiten oder die Gefahren und Risiken im Fokus. Von datenbasierten Früherkennungssystemen in der Medizin bis hin zu gesichtsbasierten Überwachungsszenarien war so ziemlich alles dabei, was man sich ausmalen konnte. Aber während wir im abgelaufenen Jahrzehnt noch weitgehend über die Entwicklungen der KI-Systeme spekuliert haben, steht jetzt die Umsetzung und deren Einsatz auf dem Programm. Warum? Weil nach der Informationssammlung und -übertragung nun die Informationsverarbeitung im Mittelpunkt stehen wird. Das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz beginnt jetzt.

KI als Bedürfnismanager

In den kommenden Jahren wird die Künstliche Intelligenz ihren Siegeszug erst richtig antreten. Warum? Weil nach Big Data die Big Intelligence zur Auswertung der Datenflut kommen muss! Nur KI-Systeme können Unternehmen helfen, aus der Fülle mehr oder weniger strukturierter Datenmengen die Markttrends und Geschäftspotenziale herauszufiltern, die im Mittelpunkt des Digital Business stehen werden. Wer diese Trends und Potenziale als Erster erkennt, wird in der Lage sein, als Erster ein passendes Angebot zu machen.

Und damit nicht genug: Dank KI wird sich auch das Customer Relationship Management zu einer Predictive Customer Relationship (PCR) wandeln, also zu einer Vorhersage künftigen Kundenverhaltens. Das heißt, dass nicht nur die bisherige Kaufhistorie durch multivariate Analyseverfahren betrachtet wird, sondern auch zu erwartende Kaufwahrscheinlichkeiten durch KI-Algorithmen berechnet werden. Im optimalen Fall werden dem Kunden dann Produkte geliefert, die er gar nicht bestellt hat - aber wegen der richtigen Bedürfnisprognose trotzdem behält und nicht zurücksendet.

Aber E-Business wird damit nicht nur zu einer Disziplin der Wahrscheinlichkeitsrechnung, sondern sich mittels KI auch zu einem Instrument für eine Bedürfnislenkung entwickeln. Das daraus resultierende Prescriptive E-Business (PEB) wird nicht nur die zukünftigen Bedürfnisse und Kaufentscheidungen des Kunden prognostizieren, sondern auch versuchen, den Kunden aktiv in diese Richtung zu lenken. Damit wäre es auch möglich, die Aufmerksamkeit des Kunden im Hinblick auf unterbewusste Bedürfnisse zu steuern oder sogar gänzlich neue Bedürfnisse zu wecken. Natürlich immer mit dem Ziel, ihn dann zum richtigen Zeitpunkt mit einem passenden Produkt bedienen zu können.

KI als Hoffnungsträger

eben dieser wirtschaftlichen Perspektive werden durch die sich entwickelnden KI-Systeme aber noch Veränderungen in ganz anderen Dimensionen auf uns zukommen. Diese werden bestimmt sein durch das eigenständige Lernen der Algorithmen, die es ermöglichen, Probleme in relevanten Themenfeldern selbstständig zu erkennen und Lösungen zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen dabei die drei zentralen gesellschaftlichen Probleme: Ressourcen, Ökologie und Gesundheit. Wie nutzen wir die Digitalisierung und die zugehörigen Daten, um unsere humanen, organisatorischen, physischen, finanziellen und technologische Ressourcen optimal weiterzuentwickeln und damit den gesellschaftlichen Wohlstand für alle Menschen zu erhalten und weiter auszubauen? Wie nutzen wir die Digitalisierung und die zugehörigen Daten, um unseren Lebensraum zu sichern und noch lebenswerter zu machen sowie die zentralen Fragen von Klimakrise, Naturerhalt, Energiewende und Mobilität für alle Menschen zu beantworten? Wie nutzen wir die Digitalisierung und die zugehörigen Daten, um unsere Lebenserwartung und -qualität zu steigern und unser Gesundheitssystem so zu verbessern, dass Vorbeugung und Versorgung für alle Menschen eine Selbstverständlichkeit werden und bleiben?

Um diese Fragen zu beantworten wird es zum einen das überwachte Lernen der KI- Algorithmen geben, bei dem ein Output mittels vorgegebener Inputs berechnet wird, um dadurch Ergebnisse abzuleiten oder Vorhersagen zu treffen. Zum anderen wird es das unüberwachte Lernen geben, bei dem versteckte Muster im Datensatz entschlüsselt werden, ohne dass zuvor eine konkrete Zielsetzung formuliert wurde. So könnte eine erfolgreiche Krebstherapie beziehungsweise proaktive Krebsbehandlung aus den Milliarden von Datensätzen von betroffenen und nicht betroffenen Menschen anhand von Ess- oder Lebensgewohnheiten herausgefunden werden.

KI als Angstmacher

Wo Licht ist, ist auch Schatten, und das wird auch im KI-Zeitalter (leider) nicht anders sein. Automatische Waffensysteme, die als KI-gesteuerte Angriffsdrohnen mittels Gesichtserkennung auf einzelne Menschen oder bestimmte Menschengruppen angesetzt werden, kann niemand ernsthaft gut finden. Da es bislang kein weltweites Verbot dieser Waffengattung gibt, ist damit zu rechnen, dass diese entwickelt werden. Und natürlich ist es von der Gesichtserkennung nur ein kleiner Schritt zu Szenarien der totalen Überwachung, bei der menschliches Verhalten erfasst, durch KI- Algorithmen ausgewertet und in Belohnung oder Bestrafung umgerechnet wird, wie wir es in China bereits erleben.

Vor diesem Hintergrund wird klar, dass wir einen Ethikkatalog für das KI-Zeitalter brauchen. Und noch ein anderes Problem gilt es zu lösen: KI-Systeme sind echte Stromfresser und hinterlassen damit einen erheblichen CO2-Fußabdruck. Allein beim Trainieren einer Künstlichen Intelligenz zur Spracherkennung fällt fünfmal so viel CO2 an, wie ein Auto während seiner gesamten Lebensdauer ausstößt. Das haben Forscher der University of Massachusetts berechnet. In Sachen Klimaschutz müssen KI-Systeme daher in unseren CO2-Haushalt einberechnet werden.

KI als Investment

Kapitalspekulationen und Investmentchancen natürlich nicht weit. Daher werden verstärkt spezielle KI-Fonds entstehen, die in diese Systeme und die zugehörigen Unternehmen investieren - und zwar unabhängig davon, ob es sich um bereits börsennotierte Unicorns oder noch nicht börsennotierte Start-ups handelt. Schon heute wächst der Anteil von KI-Start-ups im Verhältnis zu allen anderen Newcomern stetig. 2018 basierten immerhin schon acht Prozent aller Neugründungen eine KI-Geschäftsidee. Der Wert eines Unternehmens wird in Zukunft über die Leistungsfähigkeit seines KI-Algorithmus bestimmt werden, der als moderne Coca-Cola-Formel in den virtuellen Safes der Firmen liegen wird. Hinzu kommen eine finanztechnische Infrastruktur mit einem KI-Segment, ein KI-INDEX an der Börse sowie umfassende Analysen zu den weiteren Kursverläufen - natürlich auf Basis von KI-Systemen, die die Entwicklung von KI-Unternehmen bewerten werden.

KI als Weltanschauung

An KI-Systemen werden sich die Geister scheiden, es wird Anhänger und Gegner geben. Dabei gilt es wie bei den meisten Technologien die Frage zu beantworten, wer wann, wo und unter welchen Rahmenbedingungen KI-Systeme einsetzen wird. Daran anschließend stellt sich die vielleicht noch wichtigere Frage: Wird es die hinter den intelligenten computergesteuerten Systemen befindliche menschliche Hand mit dem KI-Einsatz gut oder schlecht mit uns meinen? Auf die Spitze getrieben bedeutet das: Werden wir uns einen Abschaltknopf für die Algorithmen erhalten - und das Recht, ihn zu drücken? Auch diese Fragen werden wir im angebrochenen Jahrzehnt beantworten müssen, damit die digitalen 20er-Jahre als positives KI-Zeitalter in die Geschichte eingehen. Und nicht als Alptraum.

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Interview mit Prof. Kollmann mit CAPinside zur Künstlichen Intelligenz und dem KI-INDEX 2020

Mit der ersten Welle der Technologie kamen die Nullen und Einsen, bauten sich Milliarden von Datensätzen auf. Mit der zweiten Welle beginnt die intelligente Auswertung der immer weiterwachsenden digitalen Informationsflut durch Künstliche Intelligenz. Die dritte und letzte Welle bedeutet die Entscheidungen, die aus all dem zur Wohle der Menschheit getroffen werden. Und in der Investmentkultur? Welche Rolle spielen da die Nullen und Einsen, wie und was wertet die Künstliche Intelligenz sie aus und vor allem: Was ist dann die beste Entscheidung und wer trifft sie? Prof. Dr. Tobias Kollmann ist Inhaber des Lehrstuhls für BWL und Wirtschaftsinformatik an der Universität Duisburg-Essen und spricht mit CAPinside-CMO Markus Hujara über diese und andere Fragen rund um Technologie in der Investmentkultur sowie über seinen neuen KI-INDEX.


KI als Investment: Podcast-Interview zum KI-INDEX mit Prof. Kollmann bei CAPinside

Interview mit Prof. Kollmann mit ntv zur KI-Strategie der Bundesregierung 2018




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Interviews und Statements von Prof. Dr. Tobias Kollmann zum Thema Digitalisierung finden sich regelmäßig in allen großen überregionalen (z.B. Die Welt, FAZ, Handelsblatt) und regionalen Tageszeitungen (z.B. WAZ, Berliner Tagesspiegel, Kölner Express, Hamburger Abendblatt). Er war zudem als Experte für die digitale Wirtschaft im Fernsehen und Radio u.a. bei ARD, ZDF, Deutschlandfunk und im WDR zu sehen/hören.

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